Manuel Sarazzin: MEINE PATENSCHAFT FÜR DIE BEDROHTE JOURNALISTIN ŠTEFICA GALIĆ

tačno.net
Autor 9.9.2019. u 19:31

Manuel Sarazzin: MEINE PATENSCHAFT FÜR DIE BEDROHTE JOURNALISTIN ŠTEFICA GALIĆ

© Carolin Holzhäuser

„Menschenrechtsverteidiger und bedrohte Parlamentarier brauchen weltweit Schutz“ – das ist der Leitgedanke des Patenschaftsprogramms des Deutschen Bundestages „Parlamentarier schützen Parlamentarier“. Im Juni 2019 wurde Štefica Galić ins Patenschaftsprogramm aufgenommen und ich habe ihre Patenschaft übernommen.

Štefica Galić ist eine bosnisch-kroatische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin. Im Bosnienkrieg rettete sie gemeinsam mit ihrem Mann Nedjo Galić vielen Bosniakinnen und Bosniaken das Leben. Mittels gefälschter Einladungsbriefe gelang es ihnen, Menschen vor der Deportation zu retten oder aus Lagern zu befreien. In nicht-nationalistischen Kreisen gelten beide deshalb als die „Schindlers aus Ljubuški“. 2012 wurde mit einem Dokumentarfilm die Rolle von Štefica Galić und ihrem Mann während des Bosnienkriegs öffentlich.

Seitdem ist sie Zielscheibe kroatischer Nationalisten. Sie wird als Verräterin diffamiert und ist massiven Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, Drangsalierungen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt. Die OSZE verurteilte die Übergriffe auf Štefica Galić mehrfach.

Angesicht nicht abreißender Anfeindungen, musste Štefica Galić ihr Heimatdorf Ljubuški  verlassen und lebt seitdem mit ihren Kindern im muslimischen Teil von Mostar. Noch heute gilt sie als „Nestbeschmutzerin“, da verurteilte Kriegsverbrecher vielerorts noch immer als Helden verehrt werden: Als sich Slobodan Praljak, ehemaliger General der kroatisch-bosnischen Armee (HVO), während seiner Verurteilung durch das Jugoslawien-Tribunal (ICTY) im November 2017 in Den Haag vergiftete, wurden vielerorts in Bosnien und Kroatien Gedenkminuten zu seinen Ehren abgehalten.

Ihr mutiges Engagement für einen offenen Aussöhnungsprozess und die Aufklärung der durch die bosnisch-kroatische Armee begangenen Kriegsverbrechen ist bis heute – aller Widerstände zum Trotz – ungebrochen. Auf ihrem Internetportal tacno.net informiert sie über die verurteilten Täter und die Orte der ethnischen Säuberungen. Zudem vermittelt sie mit ihrer Schule des kritischen Denkens jungen Menschen eine neue Perspektive, jenseits von Hasspropaganda und völkisch-nationalistischem Gedankengut. In workshops, die für alle Interessierten offen sind, werden vermeintliche Kriegsheldengeschichten hinterfragt und nationalistisch-rassistische Narrative dekonstruiert. Außerdem zeigt sie, wie es mit Hilfe von Kunst, Philosophie und Journalismus gelingen kann, ein Gegennarrativ zu schaffen, das auf kritischem Denken und friedlichem Miteinander beruht.

Štefica Galić wurde im Dezember 2018 mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet. Seitdem sind die Übergriffe zumindest zahlenmäßig zurückgegangen. Regelmäßige Anfeindungen und eine enorme psychische Belastung bleiben.

Am 07. September 2019 wurde unsere Patenschaft im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung 20 Jahre Heinrich-Böll-Büro in Bosnien und Herzegowina öffentlich.

Meine Rede ist hier nachzulesen:

„Liebe Marion, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste,

Heinrich Böll hat einmal gesagt: „Es geht darum, Raum für Freiheit und Mut freizuhalten. Der Mut der freien Menschen muss einen Platz haben.“

Und genau diesen Raum für Freiheit, diesen Platz für Mut, stellt ihr, liebe Marion, lieber Walter, liebe Ellen mit Eurer grünen Stiftungsarbeit den Menschen an so vielen Orten auf der Welt und auch hier in Sarajevo zur Verfügung.

Auch deshalb sind 20 Jahre grüne Stiftungsarbeit in Bosnien und Herzegowina ein Grund zum Feiern. 20 Jahre grüne Stiftungsarbeit sind aber auch Anlass, um von ganzem Herzen DANKE zu sagen. Danke für Euer unermüdliches Engagement, für Eure so wichtige Unterstützung der Zivilgesellschaft. Danke, dass ihr so vielen Menschen Mut macht und Raum für Freiheit schafft.

Gerade in einem Land wie Bosnien, wo der Krieg auch nach 25 Jahren noch sehr präsent ist, wo viele noch immer auf ein Klima der Angst statt auf ein Klima der Aussöhnung setzen – gerade hier ist es so wichtig, vor allem diejenigen zu unterstützen, die mutig sind. Die den Mut haben, sich für ein Miteinander statt Gegeneinander einzusetzen. Die den Mut haben, grausame Kriegsverbrechen aufzuarbeiten statt sie zu glorifizieren. Die den Mut haben, sich von Anfeindungen nicht einschüchtern zu lassen. Die den Mut hatten, ihr Leben zu riskieren, um anderen das Leben zu retten. Die den Mut haben, im besten Sinne Mensch zu sein.

In Bosnien gibt es viele Menschen, die genau diesen Mut haben. Eine davon ist Štefica Galic.

Štefica und ich haben uns im März dieses Jahres kennengelernt. Ihr Engagement hat mich – sofort – tief beeindruckt und tief bewegt.

Štefica setzt sich seit Jahren für Aussöhnung und für die Aufklärung von Kriegsverbrechen ein. Auf ihrem Internetportal „tacno.net“ informiert sie über verurteilte Täter und Orte von ethnischen Säuberungen. Sie schafft damit Fakten in einer Region, in der Kriegsverbrechen noch immer glorifiziert werden und Kriegsverbrecher sich als Helden oder gar als Opfer sehen – aber nie als Täter. Mit ihrer „Schule des kritischen Denkens“ vermittelt Štefica jungen Menschen eine neue Perspektive, jenseits von Hasspropaganda und nationalistischem Gedankengut. Sie hinterfragt vermeintliche Kriegsheldengeschichten und beweist, dass kritisches Denken zu einem friedlicheren Miteinander führen kann.

Und mehr noch: Im Bosnienkrieg hat sie gemeinsam mit ihrem Mann vielen Bosniakinnen und Bosniaken das Leben gerettet. Dafür kann ich ihr, können wir ihr nur von ganzem Herzen danken.

Doch leider sehen das hier und in der Region nicht alle so. Ranghöchste Politikerinnen und Politiker verfolgen noch heute die Kriegsziele von damals: die Schaffung von ethnisch vermeintlich reinen Gebieten. In Šteficas Heimatregion ist der Geist von „Herzeg-Bosna“, dem kriminellen Parastaat, noch immer lebendig. Für ihr Engagement zahlt sie deshalb einen sehr hohen Preis. Štefica wird von kroatischen Nationalisten als Verräterin diffamiert und ist seit Jahren massiven Drohungen und Übergriffen ausgesetzt.

Der Westbalkan, Bosnien und insbesondere Sarajevo sind für mich als überzeugten Europäer eine Herzensangelegenheit. Hier laufe ich durch die Straßen und sehe überall ein Brennglas europäischer Geschichte. Hier wurde die europäische Vision eines friedlichen Miteinanders lange gelebt. Hier ist die EU in den 90er Jahren aber auch ein stückweit gestorben. Hier ist Europa noch nicht fertig.

Aber Bosnien ist Teil der europäischen Familie. Bosnien gehört in die EU! Auch deshalb ist es unerlässlich, dass Menschen wie Štefica, die unsere gemeinsamen europäischen Werte alltäglich leben, unterstützt werden.

Štefica und ich haben die letzten Monate gemeinsam überlegt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann. Und unsere Überlegungen hatten bislang ein konkretes Ergebnis:

Im Juni wurde Štefica ins Patenschaftsprogramm für gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen des Deutschen Bundestages aufgenommen – und ich habe ihre Patenschaft übernommen. Das Programm ist zwar rein symbolischer Natur, die Unterstützung muss aber nicht ohne Wirkung bleiben. Štefica hat nun mit mir eine direkte Ansprechperson im Deutschen Bundestag. Wir werden regelmäßig in Kontakt bleiben und sicher auch das eine oder andere gemeinsame Projekt starten. Und sollten Anfeindungen wieder zunehmen, werde ich alles, was in meiner Macht steht, tun, um ihr zu helfen.

Es ist wichtig, dass Kriegsverbrecher verurteilt und nicht glorifiziert werden. Es ist wichtig, dass Übergriffe auf Journalisten und Menschenrechtsverteidigerinnen sichtbar werden und nicht ungestraft bleiben. Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Meinungsfreiheit sind nicht verhandelbar.

Ich freue mich auf unsere Patenschaft, liebe Štefica, und hoffe, dass wir gemeinsam neue Räume für Mut und Freiheit schaffen werden.

Vielen Dank, dass Du Dich aller Widerstände zum Trotz für Aussöhnung und Frieden einsetzt. Danke, dass Du so ein aufrichtiger und mutiger Mensch bist.“

manuelsarazzin.de

Moje pokroviteljstvo za ugroženu novinarku Šteficu Galić

„Branioci ljudskih prava i ugroženi parlamentarci trebaju zaštitu širom svijeta“ – to je vodeća misao programa pokroviteljstva njemačkog parlamenta  „Parlamentarci štite parlamentarce“. U junu 2019. u ovaj program uzeta je Štefica Galić i ja sam preuzeo njeno pokroviteljstvo.

Štefica Galić je bosansko – hrvatska novinarka i borac za ljudska prava. U ratu u Bosni zajedno sa svojim suprugom Neđom Galićem spasila je život mnogim Bošnjakinjama i Bošnjacima. Putem lažnih pisama sa pozivima uspjelo im je da ljude spase od deportacije i da ih oslobode iz logora. U nenacionalističkim krugovima oboje zato važe kao „Šindleri iz Ljubuškog“. Jednim dokumentarnim filmom 2012.objelodanjena je uloga Štefice Galić i njenog supruga za vrijeme rata u Bosni.

Otada je ona meta hrvatskih nacionalista. Ona je oklevetana kao izdajica i izložena je masivnim prijetnjama smrću i silovanjem, uznemiravanju i fizičkim napadima. OSZE je više puta osudila napade na Šteficu.

Obzirom na neprekidna neprijateljstva Štefica Galić morala je napustiti svoje mjesto Ljubuški i otada živi sa djecom u muslimanskom dijelu Mostara. Još i danas vrijedi kao ona koja „prlja vlastito gnijezdo“, pošto se u mnogim mjestima još uvijek ratni zločinci slave kao junaci: Kada se Slobodan Praljak, nekadašnji general hrvatsko – bosanske armije (HVO) za vrijeme izricanja presude na tribunalu za Jugoslaviju (ICTY) u novembru 2017. u Den Hagu otrovao, u mnogim mjestima u Bosni i Hrvatskoj odali su mu poštu minutom ćutanja.

Njen hrabri angažman za otvoreni proces izmirenja i razjašnjenje počinjenih ratnih zločina od strane bosansko – hrvatske armije je do danas – uprkos otporima – neprekinut. Na svome internet portalu tacno.net ona informiše o osuđenim počiniocima i mjestima etničkog čiščenja. Osim toga ona putem svoje Škole kritičkog mišljenja otvara mladim ljudima nove perspektive van propagande mržnje i etničko – nacionalističkih ideja. U radionicama koje su otvorene za sve zainteresovane preispituju se navodna ratna junaštva i razbijaju nacionalističko – rasistički narativi. Osim toga ona pokazuje kako se uz pomoć umjetnosti, filozofije i novinarstav može uspjeti stvoriti protu priču koja se zasniva na kritičkom razmišljanju i miroljubivoj suradnji.

Štefica Galić nagrađena je u decembru 2018. sa nagradom Johann – Philipp – Palm za slobodu mišljenja i slobodu štampe. Otada su napadi makar brojčano smanjeni. Odbojnost i enormni psihički pritisak su ostali.

  1. septembra 2019. u okviru jubileja 20 godina Heinrich Böll biroa u Bosni i Hercegovini bilo je objelodanjeno naše pokroviteljstvo.

Draga Marion, drage prijateljice i dragi prijatelji, dragi gosti,

Heinrich Böll (Hajnrih Bel) je jednom rekao: „Cilj je da se očuva prostor za slobodu i hrabrost. Mora biti mjesta za hrabrost slobodnih ljudi.”

I upravo taj prostor, to mjesto za hrabrost stavljate vi, draga Marion, dragi Waltere i draga Ellen, na raspolaganje svojim radom u okviru fondacije Zelenih na brojnim mjestima širom svijeta, pa i ovdje u Sarajevu.

I zbog toga su 20 godina rada fondacije Zelenih u Bosni i Hercegovini razlog za slavlje. A 20 godina rada fondacije Zelenih su istovremeno i povod da se od sveg srca kaže HVALA. Hvala na vašem neumornom angažmanu, na tako važnoj podršci civilnom društvu. Hvala što ste ohrabrili tako veliki broj ljudi i stvorili prostor za slobodu.

Upravo u zemlji kao što je Bosna, gdje je rat i nakon 25 godina još uvijek prisutan, gdje se mnogi još uvijek oslanjaju na atmosferu straha umjesto na atmosferu pomirenja – upravo ovdje je tako važno podržati prije svega one koji su hrabri. One koji imaju hrabrosti zalagati se za zajedništvo, umjesto za sukobe. One koji imaju hrabrosti suočiti se s okrutnim ratnim zločinima, umjesto da ih veličaju. One koji imaju hrabrosti oduprijeti se napadima i prijetnjama. One koji su imali hrabrosti riskirati vlastiti život kako bi drugima spasili život. One koji imaju hrabrosti biti ljudi, u najboljem smislu te riječi.

U Bosni i Hercegovini ima mnogo ljudi koji imaju upravo ovu vrstu hrabrosti. Jedna od njih je Štefica Galić.

Štefica i ja smo se upoznali u martu ove godine. Njen angažman me – odmah – duboko dojmio i duboko ganuo.

Štefica se već godinama zalaže za pomirenje i otkrivanje ratnih zločina. Na svom internet portalu Tačno.net informira o osuđenim počiniocima i mjestima na kojima su provedena etnička čišćenja. Ona na taj način predstavlja činjenice u jednoj regiji u kojoj se još uvijek veličaju ratni zločini i gdje ratni zločinci sami sebe smatraju herojima ili čak žrtvama – a nikad počiniocima. U okviru svoje “Škole kritičkog mišljenja” Štefica mladim ljudima pruža novu perspektivu, izvan okvira govora mržnje i nacionalističkog načina razmišljanja. Ona preispituje tobožnje priče o ratnim herojima i tako dokazuje da kritičko mišljenje može dovesti do mirnijeg suživota.

Ali i mnogo više od toga: Ona je zajedno sa svojim mužem tokom rata u Bosni i Hercegovini mnogim Bošnjakinjama i Bošnjacima spasila život. Na tome joj se mogu, na tome joj se možemo samo od sveg srca zahvaliti.

Nažalost to ovdje i širom regije ne vide svi tako. Političari na najvišim položajima i dan danas provode ratne ciljeve iz prošlosti: stvaranje tobože etnički čistih prostora. Duh “Herceg-Bosne”, jedne kriminalne paradržave, još uvijek je živ u Šteficinom rodnom kraju. Za svoj angažman stoga plaća veoma veliku cijenu. Hrvatski nacionalisti Šteficu blate i prozivaju izdajnicom, a već godinama je izložena masivnim prijetnjama i napadima.

Meni kao uvjerenom Evropljaninu je veoma stalo do Zapadnog Balkana, do Bosne i Hercegovine, a naročito do Sarajeva. Hodajući ulicama, ovdje vidim evropsku istoriju kao pod povećalom. Ovdje su ljudi dugo živjeli u duhu evropske vizije mirnog suživota. A ovdje je 90ih godina djelomično umrla i Evropska unija. Ovdje Evropa još nije gotova.

Međutim, Bosna je dio evropske porodice. Bosni je mjesto u Evropskoj uniji! I zbog toga je neophodno da se pruži podrška ljudima kao što je Štefica koji svakodnevno usvajaju i žive zajedničke evropske vrijednosti.

Štefica i ja smo tokom proteklih mjeseci zajedno razmišljali o tome kako bi mogla izgledati takva podrška. I do sada je taj proces razmišljanja doveo do jednog konkretnog rezultata: U junu je Štefica primljena u program zaštite ugroženih boraca za ljudska prava Njemačkog saveznog parlamenta (Njemačkog Bundestaga) – ja sam preuzeo pokroviteljstvo za nju u okviru tog programa. Iako je program simboličke prirode, ne mora značiti da će podrška biti nedjelotvorna. Štefica sada ima mene kao direktnog sagovornika u Njemačkom Bundestagu. Ostaćemo u redovnom kontaktu i sigurno ćemo pokrenuti poneki zajednički projekat. I ako opet učestaju napadi, uradiću sve što je u mojoj moći da joj pomognem.

Važno je da se ratni zločinci osude, a ne da se veličaju. Važno je da napadi na novinare i borce za ljudska prava budu vidljivi i da ne ostanu nekažnjeni. O demokratiji, vladavini prava i slobodi govora se ne može pregovarati. Radujem se pokroviteljstvu, draga Štefice, i nadam se da ćemo zajedno stvoriti novi prostor za hrabrost i slobodu.

Velika hvala što se uprkos svim otporima zalažeš za pomirenje i mir. Hvala što si tako iskrena i hrabra osoba.

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Autor 9.9.2019. u 19:31

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